Ludi Lauriacenses - Römerfest Enns          2.-3. Juli 2011

Am Wochenende vom 2. Juli bis 3. Juli 2011 fand in Enns das erste Römerfest, veranstaltet durch den Museumsverein Lauriacum, statt. Im noch kleinen, aber feinen Rahmen wurde ein erster Versuch gestartet, Römerfeste in Enns – einer Stadt, die nachweislich in der Geschichte ein sehr wichtiger Stützpunkt in der Römerzeit gewesen war – zu einer fixen Einrichtung zu machen. Dieser Versuch war aus darstellerischer Sicht ein voller Erfolg. Aber auch die Besucher waren von dem kleinen, aber dafür von den Gruppen, die allesamt hohe Qualität in ihrer Darstellung aufwiesen, sehr detaillvoll gestalteten Lagerplatz sehr angetan.

Einmarsch der Römer

Am Samstagvormittag gab es vom Museum Lauriacum am Ennser Hauptplatz einen Einzug der Teilnehmenden Gruppen – Römer, Kelten und Germanen – durch die Stadt ins Lager. Das Lager war auf einem Teil des ehemaligen römischen Legionärslager Lauriacum angesiedelt – daher vom geschichtlichen Standpunkt ein sehr interessanter Platz für das Fest. Der Festplatz war klein gehalten, aber trotzdem reich an interessanten Dingen, die zu entdecken waren und bei den darstellenden Gruppen konnte man viele geschichtliche Fakten erfragen.

Das Lager auf einem Teil des ursprünglichen Legionärslagers

Neben den Römergruppen LEGIO II ITALICA (DE), EXERCITUS PANNONIA SUPERIOR (AT) und LIMITANAE PONTAENENSES (DE) fand sich ein römischer Landvermesser (AT), ein Informationsstand der Keltengruppe Alauni (AT), ein Instrumentenbauer, ein Bogenschießstand und mit ihrer Germanendarstellung die Gruppe Gentes Danubii (AT) auf dem Lagerplatz. Bei allen erhielt man bereitwillig Auskunft über das jeweilige Handwerk und konnte das Lagerleben der einzelnen dargestellten Kulturen aus nächster Nähe betrachten und viele geschichtliche Informationen von den Darstellern erfahren konnte. So gab es aus dem handwerklichen Bereich die Möglichkeit beim Spinnen, Netzen, Glasperlendrehen, Schnitzen, Brettchenweben, Nesteln, Metallgießen, Nähen, aber auch Vermessen und Beschreiben von Papyrus zuzusehen. Alle Darsteller wiesen dabei ein sehr großes Fachwissen über ihre dargestellte Zeit und Handwerk auf und ließen kaum eine Frage unbeantwortet.

Besonders hervorzuheben sei auch die Lagergestaltung an sich: Alle Lager verfügten über eine individuelle, aber sehr ansprechend aufbereitete und auch Laien zu Fachgesprächen einladende Präsentation ihrer Darstellung und Realien, wie man sie bisher in Österreich selten auf historischen Veranstaltungen findet. Als Veranstalter war es dem Museumverein Lauriacum ein großes Anliegen, dass alle teilnehmenden Gruppen und Darsteller die Zeit vom 1-3 nachchristlichen Jahrhundert inhaltlich und wissenschaftlich so korrekt wie möglich und lebendig darstellen. Ebenso sollte den Besuchern mit der Methodik der experimentellen Archäologie antike Handwerkspraktiken und Techniken vermittelt werden. Obwohl im Grunde kein Rahmenprogramm bis auf den Einmarsch der Gruppen Samstag vormittags und das Lagerfeuer abends, bzw. eine Führung in der Basilika St. Laurenz am Sonntagvormittag am Programm standen, war doch recht reger Andrang und großes Interesse an der Antike spürbar.

Auch das Wetter spielte nicht unbedingt so mit, wie man sich es für ein Wochenende im Juli vorstellen würde - eine Mischung aus Regen, Wind, Wolken und seltenen Sonnenstrahlen - doch auch das hielt, vor allem am Samstag, sicherlich ein paar hundert interessierte Besucher (genaue Besucherzahlen liegen uns leider nicht vor) nicht davon ab, das Fest zu besuchen. Immer wieder bildeten sich vor jedem Lager größere Trauben interessierter Erwachsener und Kinder jedes Alters, die mit Staunen den Erzählungen der Darsteller lauschten.

Aktivitäten

Für die Kinder gab es neben den Anschauungsobjekten in den Lagern, auch die Möglichkeit des Bogenschießens und des Bemalens von Schwert und Schild beim leider einzigen Händlerstand, der Glasperlendreherin der Alaunis. Letzteres führte besonders bei den Darstellern zu etwas Enttäuschung, da sich diese erhofft hatten, ihre Realiensammlung um das eine oder andere Detail erweitern zu können. Spontaneinlagen der Gruppen, wie z.B. die Exerzierübung der Ex.Pan.Sup (besser bekannt unter dem Namen Legio XIII) am frühen Abend, oder die Simulation eines Germanenangriffes auf das römische Lager lockerten das sonst ohne Programm verlaufende Fest etwas auf und erheiterten Gäste und Darsteller.

Organisation für die Darsteller

Zur Organisation muss die tolle Arbeit der beiden Hauptverantwortlichen, Mag. Laurin Holzleitner und Dr. Reinhardt Harreither erwähnt werden, die beide stets bemüht waren, den Darstellern beinahe jeden Wunsch von den Augen abzulesen. So kamen beide mehrmals täglich über das Festgelände, unterhielten sich mit den Gruppen, begutachteten die Ausrüstung und kümmerten sich mittels Essenbons auch um das leibliche Wohl der Darsteller. Abends hatten interessierte Darsteller die Möglichkeit mit dem Museumsleiter Dr. Harreither eine private Führung durch Enns mitzumachen, um einen Eindruck des ehemaligen Römerlagers und der Geschichte von Enns zu erhalten, bzw. die strategisch günstige Lage des damaligen Lagers Lauriacum zu erkennen. Ende und Höhepunkt der Führung war schließlich der Museumsbesuch bei dem jeder Darsteller / Teilnehmer einen Museumskatalog als Dankeschön überreicht bekam.Weiterer Höhepunkt für die Darsteller war die ebenfalls private Führung von Dr. Harreither am Sonntagvormittag durch die römischen Ausgrabungen unter der Basilika St. Laurenz, die neben den Führungen für die Besucher stattfand.Anzumerken wäre noch, dass leider kaum Werbung im Vorfeld gemacht wurde und beinahe ausschließlich per Mundpropaganda durch die Darsteller Informationen zu dem Fest verbreitet wurden. Auch im Ort hing erst direkt beim Lagergelände ein Hinweis auf die Veranstaltung, von der Autobahn aus gab es kein Hinweisschild - dadurch kamen dem Eindruck der Darsteller nach eher nur Anrainer zum Fest und die wenigsten, ausgenommen Darsteller, von auswärts, wie es schien.

Zukunft

Für die Zukunft lässt sich auf jeden Fall sagen, dass diese Veranstaltung großes Potential hat, ein sehr hochwertiges Fest zu werden. Planungen für ein Programm für die geplante Folgeveranstaltung im Jahr 2013 und für mehr Händler und auch Musik und Unterhaltung für Kinder sind bereits jetzt in Arbeit und wurden bei der Veranstaltung selbst mit dem Organisationsteam ansatzweise besprochen. Aufgrund dieser Aktivitäten und der positiven Stimmung freuen wir uns auf weitere Veranstaltungen dieser Art in Enns / Lauriacum und glauben an den Erfolg.