Die römische Spätantike


Die römische Armee in der Spätantike

Im 3.Jahrhundert erfolgten, verursacht durch die politischen Krisen im Inneren und die veränderten Bedrohungen durch das Sassanidenreich im Osten und den germanischen Stämmen an Rhein und Donau, Reformen des römischen Heeres. Diese – unter Kaiser Gallienus begonnenen, von Diokletian und den Kaisern der Konstantinischen Dynastie abgeschlossenen – Strukturveränderungen führten erstens zu einer Trennung in zivile Verwaltung und Militär und zweitens zu einer Aufteilung der Streitkräfte in mobile Feldarmeen (comitatenses), die im Hinterland positioniert waren und stationären Grenztruppen (limitanei bzw. ripenses).


Von Letzteren, zu deren Aufgaben die Straßenüberwachung, Grenzpatrouillen und die Abwehr kleinerer Übergriffe zählte, konnten bei Bedarf Abteilungen als pseudo comitatenses zur Feldarmee abkommandiert werden.

Die bedeutendste Quelleüber die militärischen Kommandos und Einheiten des West- und Oströmischen Reiches gegen Ende des 4. Jhd. stellt die Notitia Dignitatum dar. Die in ihr angeführten Verbände würden eine theoretische Sollstärke von 500 bis 600.000 Mann für das gesamte Imperium ergeben, wobei die Anzahl der militärischen Einheiten erhöht wurde, ihre Stärke aber nicht mit der alten Legionsgröße identist, sondern wahrscheinlich 1000 bis 1200 Mann umfasste.  

Weitere Veränderungen betrafen die Abstammung der Kommandeure, so traten an die Stelledes Senatorenadels Männer aus dem Ritterstand und auch zunehmend Offiziere germanischer Herkunft. Auch die traditionelle Rangstruktur und Titel änderten sich und umfassten neben Tribunen, Präfekten, neue Ränge wie duces, comites reimilitaris und magistri militum, wobei es sich bei allen um Berufsoffiziere handelte. Für Österreich erwähnenswert ist der Dux Pannoniae Primae et Norici Ripensis, der alle Limitanei- und Flotteneinheiten der Donauregion zwischen Inn und Raab befehligte.


Das römische Heer der Spätantike bestand auch weiterhin aus Berufssoldaten mit 20 Jahren Dienstzeit, aber neben der rückläufigen Rekrutierung aus Freiwilligen, etablierte sich ein System aus Einberufung, Vererbung des Soldatenstandes und der Verwendung von zumeist Germanen aus Stämmen, die als Laeti im Reichangesiedelt worden waren. Hinzu kamen noch Barbaren außerhalb des Reiches und auch Foederaten, die unter ihren eigenen Anführern als eigenständige Einheiten kämpften.

 

Erscheinungsbild und Ausrüstung

 

Im vierten und fünften Jahrhundert unterscheidet sich das Erscheinungsbild des römischen Soldaten grundlegend von seinen Vorgängern, wie am Bild rechts deutlich erkennbar. Einflüsse aus dem Osten und Germanien bringen Veränderungenin der Kleidung und der militärischen Ausrüstung, so kommen seit dem 3. Jhd.lange Hosen (brachae) und langärmelige Tuniken (tunica manicata) mit Applikationen in Gebrauch. Als besondere Merkmale der militärischen Zugehörigkeit gelten neben dem cingulum (Gürtel), die Zwiebelknopffibel und der Pileus Pannonicus (Kopfbedeckung). Anstelle der früheren Caligae werden seit Beginn des 3. Jhd.Calcei (Schnürstiefel) getragen.


Bewaffnung

 

Im Bereich der Bewaffnung kommen bei den Helmformen Kamm- und Spangenhelme auf: Weitere Änderungen betreffen den Gladius, der durch das Spatha - ein langes Hiebschwert - ersetzt wird. Ebenso wird das Pilum durch eine Vielzahl von Lanzen- und Speerformen verdrängt. Die Plumbata war ein bleibeschwerter Wurfpfeil mit einer Reichweite von 30 - 40 m. Anstelle des traditionellen Rechteckschildes – scutum – der Legionäre, sind die Schilder der Spätantike von ovaler oder runder Form, wobei sie entweder flach oder leicht gewölbt waren.